Der Klick zum Glück – Making Of I

“Du bist so eine Schlampe!”, schrieb mir anerkennend eine Freundin, die meinen Erfahrungsbericht über TINDER und LOVOO im Focus gelesen hatte. Mit meiner Mitarbeit an der Titelstory “Mit einem Klick zum Glück” baute ich mir im Verlag einen zweifelhaften Ruf auf. Zumindest verstärkte ich ihn. Egal, ob man mich lobte oder den Artikel zum Kotzen fand, immer wurde die eine Frage gestellt: “Ist das denn alles so passiert?” Nein, ist es nicht. Es war noch viel abseitiger und verstörender, als ich es je hätte in einem Nachrichtenmagazin verpacken können.

Meine zweite App-Bekanntschaft – sie trug einen dämlichen Nickname im Stil von “fruechtchen91″ – hatte ihre Wohnung in Bonbon-Tönen eingerichtet und trug farblich darauf abgestimmte Trainingshosen mit Arsch-Aufdruck (“Princess”), gab am Morgen ihre wahren Vorlieben preis. Nach einer Nacht, in der sie mir das Gefühl gab, ein herrisches Monstrum zu sein (“Ja, würg mich”), setzte sie nach: “Ich geh mal kurz pinkeln”, sagte sie. “Aha”, sagte ich und hielt nach meiner Hose Ausschau. “Möchtest du mitkommen?” “Äh, nein” “Du kannst mir zuschauen, wenn du willst” “Nein, das ist nett. Aber, nein, danke” “Mein Ex-Freund fand das immer geil” Ich bin kein Warmduscher. Ich lehnte ab. Und ging. Kurz haderte ich mit mir. Vielleicht hätte ich das Angebot wahrnehmen sollen, der Erfahrung wegen. Doch mich schreckte eines ab – neben der Tatsache, dass ich körperlichen Abfällen im Liebesspiel nicht viel abgewinnen konnte: die unemanzipierte Art meiner Partnerin. Sie begründete ihre Idee mit ihrem Ex-Freund. Hätte sie selbst danach gefragt, weil es ihr Lust bereitet, wäre es in Ordnung gewesen. Doch warum begeben sich einige Frauen in die Rolle einer Animateurin für männliche Vorlieben? Fruechtchens Frage und ihr Verhalten im Bett versinnbildlichten einen grundlegenden Konflikt, über den ich schon oft gestolpert war: Frauen, die absurdeste Wünsche über sich ergehen lassen, obwohl sie selbst dabei keine Lust empfinden, oder aus purem Experimentierwillen jeden Schwachsinn aus Pornos in ihr Sex-Leben einbinden. Ein krasser Rückschritt in der sexuellen Emanzipation der Frau. Und ein krasser Lustkiller für mich.

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