Einstand Berlin

“Hier”, sagt sie und steckt mir einen straußeneigroßen Klumpen Gras in die Tasche meiner Lederjacke.
“Das brauchst du, um schlafen zu können”.
Ich lache und ziehe ihn wieder heraus.
“Wie kommst darauf? Hier, nimm es zurück!”
Sie schiebt meine Hand weg.
“Steck es ein!”, insistiert sie.
Sonntagabend. Mein Einstand in Berlin. Nach langer Zeit nin ich endlich mal wieder hier. Und schon wird mir bewusst, dass ich dringend etwas gegen mein ADHS und meine offene Art tun muss; weniger reden, weniger Scherze machen, weniger auffallen. Oder falle ich genau deswegen zwischen den Druffies nicht auf? Ich habe keine Ahnung mehr, was ich sagen soll, bedanke mich bei meiner schwedischen Bekanntschaft für die Drogen und frage sie nach ihrer Telefonnummer.
Hinter ihren Augen lodert eine chemische Verbrennung. Meine Augen fallen mir von der weiten Reise und dem Umzugsstress zu.
“Ich melde mich bei dir, wenn ich wieder wach bin”, sage ich, küsse sie und schlurfe nachhause.
Herzlich Willkommen.

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