Patzen

„Wie war´s gestern noch mit deinem Date?“, fragt mich Armin und beißt in sein Lahmacun.
Ich huste.
„Naja, mal abgesehen davon, dass ich nach dreißig Sekunden ihre Sofakissen vollgejizzt habe und anschließend eingeschlafen bin – war´s ganz okay“
Armin hört auf zu kauen und starrt mich an.
„Du hast… was?“
Männer würden sich lieber die Zunge abbeißen, als über sexuelle Ausfälle zu sprechen. Anscheinend hat niemand ein Problem mit Leistungsdruck, mit Nervosität, oder schlechter Tagesform. Und dadurch, dass jeder leugnet, schon mal darunter gelitten zu haben, wird der Druck für die Männer noch gesteigert. Dabei ist das Heilmittel für die meisten Schwierigleiten so einfach: Man lacht drüber und versucht es noch mal… und verkneift sich vielleicht beim nächsten Mal, mit einem schweren drogeninduzierten Kater im Bett einer Frau zu landen.
Armin ist schwer verwirrt.
„Und seht ihr euch wieder?“
„Natürlich sehen wir uns wieder! Ich hab schließlich was gutzumachen. Du kannst beim Fußball doch auch nicht sagen, ich drücke mich vor der Rückrunde, weil ich das Hinspiel verloren hab. Die Mädels beziehen das eh immer auf sich, wenn du patzt. Mit den Gedanken kann ich sie nicht sitzen lassen“
Armin nickt, scheint aber nicht überzeugt. Ich rede einfach gegen das Schweigen an.
„Was bleibt einem anderes übrig: Wenn man aus dem Sattel geworfen wird, muss man wieder aufsteigen… oder knallt sich alternativ mit Tramadol und Viagra voll. Dann hält sich der Spaß aber auch in Grenzen und du bekommst einen koitalen Herzkasper. Wir sind ja nicht bei den Olympischen Spielen“
Armin schweigt. Und beißt sich auf die Zunge.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>