Darum bezahle ich nicht für Sex

Was Sex betrifft, habe ich leicht reden. Denn ich bin ungebunden, neugierig und – was den Beziehungsstatus meiner Bettbekanntschaften angeht – moralisch sehr flexibel (das heißt, dass ich auch mit verheirateten und anderen emotional unterversorgten Frauen schlafe). Nicht nur deswegen sind Puffs für mich so überflüssig wie ein Pimmel am Papst.
Ich bin Jäger und Sammler, kein Konsument. Für etwas die Kreditkarte zu zücken, das ich mir auf anderem Weg verdienen kann, widerspricht nicht nur meiner hanseatischen Knausrigkeit – es befriedigt mich nicht. Weil Sex Bestätigung ist. Und Flirten die Vorstufe von Sex. Eine Frau anzusprechen, zu erkennen, was sie will, und sie dann davon zu überzeugen, dass sie mich will – das ist das Spiel. Es macht nur Spaß, wenn man es verlieren kann. Wer kauft sich den DFB-Pokal und stellt ihn sich ins Regal?
Der Nervenkitzel fehlt. Im Puff bekomme ich die Frau, die ich bestellt habe. Im Club bekomme ich die Rechtsanwältin, die Monotonie mit Moral verwechselt, mir jedoch nach zwei Weinschorlen den Rücken zerkratzt. Das kann man nicht vom Blatt spielen. In einer Geschäftsfrau das Freudenmädchen zu wecken fordert mich heraus. Im Freudenmädchen die Geschäftsfrau, nicht.

Aus: Playboy Ausgabe 02/2015, Rotlicht-Dossier

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