Wachs und Pest

WaxingDie Moderedaktion reichte mir eine Einladung zu einem Waxing-Termin weiter. “Wir dürfen nicht. Wenn du Lust hast, geh du hin und schreib was”.
Das tat ich dann auch. Bad decisions make good stories.
Im Wartezimmer des recht edlen Studios kam ich mir fremd vor. Ich beobachtete, wie eine Dame nach der anderen aufgerufen wurde und im Hinterzimmer verschwand. Und die Damen beobachteten mich, wie ich nervös an meiner Uhr fingerte. Vor den Schmerzen hatte ich keine Angst. Eher vor den Scherzen, die meine Freunde über mich machen würden. Ich wollte nicht zu den Metros gehören. Außerdem hasse ich glattrasierte Genitalien im Allgemeinen und an mir selbst im Besonderen. Meine letzte Intimrasur war Teil meines Karnevalskostüms gewesen. Ich war als Pam gegangen.
“Herr Tromm?”
Ich erhob mich und wäre lieber zu einem Urologen ins Behandlungszimmer getreten, als in das der kleinen, flinken Marianna. Sie reichte mir die Hand und fragte gleich: “Ah, sind Sie der Herr vom Playboy? Sehr schöne Frauen! Was darf es denn für Sie sein?”

Weil ich meinem journalistischen Ehrgeiz nachgab, antwortete ich mit dem dümmsten Satz seit Monaten: “Das volle Programm, bitte. So wie die Frauen in unserem Heft”
Die Behandlung war fürchterlich unangenehm. Marianna trug mit blitzschnellen Bewegungen das Wachs auf mein Fell auf und in riss es in Streifen herunter. 50 Prozent meines Körpergewichts landeten in der Tonne. Während der Prozedur kicherte Marianna und lobte meine dichte Beinbehaarung. Sie schien sehr versiert zu sein, in dem, was sie da tat. Dafür ein Lob auszusprechen erscheint mir aber pervers. Schließlich bewundert man auch keinen Henker, der jemandem kunstvoll die Rübe von den Schultern säbelt.

“Sie haben das noch nie gemacht?”, fragte Marianna schmunzelnd.
“Nein, ich…” RATSCH.
Meine Zähne knirschten.
Die Wachserei an den Innenseiten meiner Oberschenkel gab mir eine Idee davon, wie es sein muss, ein Kind in die Welt zu pressen. Man mag mir diesen Vergleich verzeihen. Männer sind Memmen. Ich ziehe jede Platzwunde und Prellung diesem Irrsinn vor. Wer bezahlt Geld dafür, dass er sich in einem Separee, nackt, von einer Frau demütigen und Schmerzen zufügen lässt? Oh. Richtig.
Als wir an meinem Rücken angelangt waren, zögerte Marianna plötzlich.
“Herr Tromm?”, eine böse Ahnung beschlich mich.
“Ja, Marianna?”
“Sie haben das wirklich noch nie gemacht, oder?”
“Wie ich sagte, Marianna, ich bin Jungfrau”
“Wir benutzen Bienenwachs, das wissen Sie?”
Ich wusste nicht, worauf sie hinauswollte und wartete darauf, das ich endlich in meine Klamotten springen und aus dem Laden flüchten konnte.
“Bienenwachs, ja, ja”, brabbelte ich in die Beugung meines Ellbogens.
“Reagieren Sie auf irgendwas allergisch?”
“Nicht, dass ich wüsste. Nur manchmal auf Latex und …”
Ich erinnerte mich an den letzten Sommer, als mir eine Biene in die Handfläche gestochen hatte und ich drei Tage lang fiebernd in meiner Wohnung siechte.
“Bienen. Das kann sein. Zählt das Wachs auch?”
“Ich denke schon”, antwortete Marianna betroffen.
Wachs und PestUnter einer Flut an Entschuldigungen verließ ich das Studio.
Von den Brauen abwärts fand sich kein Haar mehr an mir. Dafür an jeder Wurzel ein roter, juckender Punkt. Ich war übersät davon. Das Sams. Nur, dass ich sie nicht gegen Wünsche eintauschen konnte. Dabei hätte ich nur einen gebraucht: Vom Blitz getroffen werden.
Zwei Wochen lang trug ich Jogginghosen und weite Flanell-Hemden und sagte für einen Monat alle Körperkontakte ab. Das Jucken und Brennen hörte auf. Die Punkte begleiteten mich noch eine Weile.
Das einzige Fazit, das ich ziehen kann: Hört mit diesem bescheuerten Waxen auf, verdammt! Wachs und Pest

Nach einem Monat sind das Jucken und viele der Pickel weg. Und die Haare sind wieder da.

Nach einem Monat sind das Jucken und viele der Pickel weg. Und die Haare sind wieder da.

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